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Eurotrash

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»I’ll see you in twenty-five years.« Laura Palmer. »Also, ich musste wieder auf ein paar Tage nach Zürich. Es war ganz schrecklich. Aus Nervosität darüber hatte ich mich das gesamte verlängerte Wochenende über so unwohl gefühlt, dass ich unter starker Verstopfung litt. Dazu muss ich sagen, dass ich vor einem Vierteljahrhundert eine Geschichte geschrieben hatte, die ich aus »I’ll see you in twenty-five years.« Laura Palmer. »Also, ich musste wieder auf ein paar Tage nach Zürich. Es war ganz schrecklich. Aus Nervosität darüber hatte ich mich das gesamte verlängerte Wochenende über so unwohl gefühlt, dass ich unter starker Verstopfung litt. Dazu muss ich sagen, dass ich vor einem Vierteljahrhundert eine Geschichte geschrieben hatte, die ich aus irgendeinem Grund, der mir nun nicht mehr einfällt, ›Faserland‹ genannt hatte. Es endet in Zürich, sozusagen auf dem Zürichsee, relativ traumatisch.« Christian Krachts lange erwarteter neuer Roman beginnt mit einer Erinnerung: vor 25 Jahren irrte in »Faserland« ein namenloser Ich-Erzähler (war es Christian Kracht?) durch ein von allen Geistern verlassenes Deutschland, von Sylt bis über die Schweizer Grenze nach Zürich. In »Eurotrash« geht derselbe Erzähler erneut auf eine Reise – diesmal nicht nur ins Innere des eigenen Ichs, sondern in die Abgründe der eigenen Familie, deren Geschichte sich auf tragische, komische und bisweilen spektakuläre Weise immer wieder mit der Geschichte dieses Landes kreuzt. »Eurotrash« ist ein berührendes Meisterwerk von existentieller Wucht und sarkastischem Humor.


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»I’ll see you in twenty-five years.« Laura Palmer. »Also, ich musste wieder auf ein paar Tage nach Zürich. Es war ganz schrecklich. Aus Nervosität darüber hatte ich mich das gesamte verlängerte Wochenende über so unwohl gefühlt, dass ich unter starker Verstopfung litt. Dazu muss ich sagen, dass ich vor einem Vierteljahrhundert eine Geschichte geschrieben hatte, die ich aus »I’ll see you in twenty-five years.« Laura Palmer. »Also, ich musste wieder auf ein paar Tage nach Zürich. Es war ganz schrecklich. Aus Nervosität darüber hatte ich mich das gesamte verlängerte Wochenende über so unwohl gefühlt, dass ich unter starker Verstopfung litt. Dazu muss ich sagen, dass ich vor einem Vierteljahrhundert eine Geschichte geschrieben hatte, die ich aus irgendeinem Grund, der mir nun nicht mehr einfällt, ›Faserland‹ genannt hatte. Es endet in Zürich, sozusagen auf dem Zürichsee, relativ traumatisch.« Christian Krachts lange erwarteter neuer Roman beginnt mit einer Erinnerung: vor 25 Jahren irrte in »Faserland« ein namenloser Ich-Erzähler (war es Christian Kracht?) durch ein von allen Geistern verlassenes Deutschland, von Sylt bis über die Schweizer Grenze nach Zürich. In »Eurotrash« geht derselbe Erzähler erneut auf eine Reise – diesmal nicht nur ins Innere des eigenen Ichs, sondern in die Abgründe der eigenen Familie, deren Geschichte sich auf tragische, komische und bisweilen spektakuläre Weise immer wieder mit der Geschichte dieses Landes kreuzt. »Eurotrash« ist ein berührendes Meisterwerk von existentieller Wucht und sarkastischem Humor.

30 review for Eurotrash

  1. 5 out of 5

    Meike

    And here it is: The HIGHLY anticipated follow-up to Faserland that drove the German press into a frenzy, with well-established national papers trying to outdo themselves ignoring "do not publish your review before..." rules, aiming to win a race that has turned literary journalism into, well: marketing. People like Peter Handke, Daniel Kehlmann and Juli Zeh might appear to be the faces of German-language lit abroad, but it's safe to say that the hysteria surrounding this publication has proven o And here it is: The HIGHLY anticipated follow-up to Faserland that drove the German press into a frenzy, with well-established national papers trying to outdo themselves ignoring "do not publish your review before..." rules, aiming to win a race that has turned literary journalism into, well: marketing. People like Peter Handke, Daniel Kehlmann and Juli Zeh might appear to be the faces of German-language lit abroad, but it's safe to say that the hysteria surrounding this publication has proven once and for all that Kracht is the king of hype - and the content of the novel shows that he also dominates high-quality, challenging, complex, intelligent postmodern literature written in German. In "Faserland", an unnamed, drunken narrator in a Barbour jacket travels through Germany trying to find a connection with his surroundings and with himself. In "Eurotrash", the author of "Faserland" is fictionalized and becomes the narrator of the novel, and it's a guy named, wait for it!, Christian Kracht. This fictionalized Christian Kracht shares many biographical details with the real author of both "Faserland" and "Eurotrash", but the sometimes satirical and outrageous text also offers many blatant signs that not evertyhing in this autofictional account is true: The novel plays with the concepts of truth, memory, and language. While at the end of "Faserland", the narrator visits the grave of Thomas Mann, the fictional Kracht goes to that of Jorge Luis Borges - this is autobiographical magical realism. So Christian Kracht, the character, says good-bye to the Barbour jacket, puts on a woollen sweater and takes a trip through his home country of Switzerland with his 80-year-old, alcoholic, drug-addicted mother. Their route is a circle, and while travelling, he contemplates the vicious cycle of his family history, that features a Nazi grandfather, a father who shares many biographical details with his actual father (famous media manager Christian Kracht sen.) and operates by degrading others, the aforementionaed traumatized and psychotic mother et al. He also talks about the sexual abuse the real Christian Kracht was subjected to in a Canadian boarding school (the author first mentioned it in a lecture in Frankfurt in 2018). At the same time, many facts are slightly off: This is three-dimensional chess of identities. Readers can endlessly contemplate all the little details pointing to "Faserland" and other works, both novelistic and journalistic, by Kracht, as well as his interviews, marketing pictures and images on his social media accounts...this author denies the public any certainties, which has been his poetological concept since day one. "Eurotrash" is an endlessly fascinating work that reads like a whole new Christian Kracht, while at the same time staying true to his themes and aesthetic convictions. You can listen to my radio piece here, and here's our podcast episode (both in German).

  2. 4 out of 5

    Tilmann

    Also, ich würde eigentlich jetzt schon 5 Sterne vergeben, bevor ich es gelesen habe, aber dann habe ich auf der Rückseite des Buches einen, und das wird mir wieder keiner glauben, Kommentar von Daniel Kehlmann entdeckt. Das muss man sich mal vorstellen. Daniel Kehlmann, der Inbegriff von gekünstelter, verschwurbelter, ganz und gar durch Lähmung gezeichneter ‚Schriftsteller‘, landet unter dem Klappentext der so lange erhofften Neuerscheinung Krachts? Ich merke, dass mir leicht übel wird und ich z Also, ich würde eigentlich jetzt schon 5 Sterne vergeben, bevor ich es gelesen habe, aber dann habe ich auf der Rückseite des Buches einen, und das wird mir wieder keiner glauben, Kommentar von Daniel Kehlmann entdeckt. Das muss man sich mal vorstellen. Daniel Kehlmann, der Inbegriff von gekünstelter, verschwurbelter, ganz und gar durch Lähmung gezeichneter ‚Schriftsteller‘, landet unter dem Klappentext der so lange erhofften Neuerscheinung Krachts? Ich merke, dass mir leicht übel wird und ich zünde mir eine Zigarette an.

  3. 5 out of 5

    Steffi

    Was für ein großer Spaß! Krachts Spiel mit dem Leser, was an der Geschichte autobiografisch und was fiktiv ist, ist großartig. Dabei wird der Leser ständig mit Namen und Begebenheiten gefüttert, die sich im Internet sicher leicht als wahr(?) herausstellen würden. Nur weil Kracht genau dieses Spiel mit dem Leser treibt, versuche ich immer wieder, nicht nachzurecherchieren. Gelegentlich bin ich dann aber doch zu neugierig… und stelle mir vor, wie Kracht sich freut, weil er mich genau dort hat, wo Was für ein großer Spaß! Krachts Spiel mit dem Leser, was an der Geschichte autobiografisch und was fiktiv ist, ist großartig. Dabei wird der Leser ständig mit Namen und Begebenheiten gefüttert, die sich im Internet sicher leicht als wahr(?) herausstellen würden. Nur weil Kracht genau dieses Spiel mit dem Leser treibt, versuche ich immer wieder, nicht nachzurecherchieren. Gelegentlich bin ich dann aber doch zu neugierig… und stelle mir vor, wie Kracht sich freut, weil er mich genau dort hat, wo er mich als Leser haben will. Selbst die Geschichten in der Geschichte, die der Erzähler der Mutter erzählt, sind oft wahr und gleichzeitig (vielleicht) um irreale Details ergänzt, wie beispielsweise bei der Geschichte der Brüder Schlumpf. Je weiter man liest, um so häufiger werden die Hinweise auf die Erzähltechnik selbst, beispielsweise wenn sich das Bewusstsein des Erzählers wie ein Äther in den Nachbarraum begibt, um dort etwas zu beobachten, was er gar nicht beobachten kann. Oder in diesem wunderbaren Dialog zwischen Mutter und Sohn: „Endete nicht Dein Buch Faserland auch so ähnlich?“ „Ja, aber das war ja fiktiv. Dies hier ist echt.“ Das Zelebrieren teuerster Marken erinnert an Bret Easton Ellis. Villenstandorte, weltberühmte Nachbarn und Bekannten, einst in Familienbesitz befindliche Kunstwerke. Die Aufzählung könnte einen nerven, würde es sich nicht auch hier um ein Spiel handeln. Das Aufgehen in diesen Beschreibungen weicht dem Ekel, den der Erzähler angesichts dieser Angeberei empfindet. Und im nächsten Atemzug macht er mit dem lustvollen Benennen und Bewerten all dieser Marken und Besitztümer weiter. Die Schweiz wird hier beschimpft, wie vielleicht zuletzt in Max Frischs Stiller, mit einer Lust und Übertreibung, die an Thomas Bernhard erinnern: Und das Essen in der Schweiz, das immer viel besser schmeckte als anderswo, es war von Kindersklaven mit irgendwelchen Drogen versehen von der Firma Nestlé, damit die Menschen es gerne aßen und auch spurten und gute Schweizer blieben. Die Schweizer aßen alle ihr Soylent Green und verrichteten ihre Arbeit und gingen schlafen und wachten anderntags wieder auf, und nichts geschah. Es gab keine Musik und keine Filme und keine Literatur, es gab gar nichts in der Schweiz, lediglich die Gier der Schweizer nach mehr Luxus, das Verlangen nach Sushi und bunten Turnschuhen und Porsche Cayennes und den Bau weitere immenser Baumärkte in den wuchernden Agglomerationen. Und überhaupt wird bei den Reminiszensen an andere Werke der Literatur, des Films und der Kunst nicht weniger Namedropping betrieben als bei dem verhassten Lebensstil der Eltern: Gleich zu Beginn wird mit der Formulierung vom „Zerfall dieser Familie“ an die Buddenbrooks erinnert. Beim Aufenthalt in einem Chalet erwartet Kracht das Auftauchen eines mit Axt bewaffneten Jack Nicholson. Ein Sanatoriumsbesuch verbindet sich mit der Empfehlung, die nahen Reichenbachfälle zu besuchen. Weiter wirft die Mutter dem Sohn vor, dass er nicht schreibe wie Daniel Kehlmann (mit dem er kurioserweise verwechselt wird), Marcel Beyer, Knausgård, Houellebecq, Ransmayr oder Sebald. Man könnte die Liste endlos fortsetzen. Das alles macht riesiges Vergnügen, auch (oder weil) sich die Traurigkeit zwischen den Zeilen nicht ignorieren lässt.

  4. 5 out of 5

    Larissa

    Ich habe das Buch in weniger als zwei Tagen verschlungen. Kracht ist ein genialer Erzähler und der Text gleichzeitig urkomisch, selbstironisch, kritisch und irgendwie trotzdem sehr liebevoll. Zu alledem ein wirklich gelungener Kommentar auf das Erzählen, die Eigenfiktion und die Obsession, die die Öffentlichkeit heutzutage mit Autor*innen und ihren Biografien hat, weil nie ganz klar wird, wie sehr der Protagonist nun tatsächlich Kracht ist oder eben auch nicht: es ist nämlich auch total egal. Ge Ich habe das Buch in weniger als zwei Tagen verschlungen. Kracht ist ein genialer Erzähler und der Text gleichzeitig urkomisch, selbstironisch, kritisch und irgendwie trotzdem sehr liebevoll. Zu alledem ein wirklich gelungener Kommentar auf das Erzählen, die Eigenfiktion und die Obsession, die die Öffentlichkeit heutzutage mit Autor*innen und ihren Biografien hat, weil nie ganz klar wird, wie sehr der Protagonist nun tatsächlich Kracht ist oder eben auch nicht: es ist nämlich auch total egal. Geschichten erzählen können sie beide wie kein anderer ;)

  5. 5 out of 5

    Joanna

    Bei diesem Buch gehöre ich wohl zur Fraktion "Unpopular Opinion". Woher all diese 5 Stern-Bewertungen kommen, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Wenn ich ehrlich bin, stände ein anderer Name auf dem Umschlag, hätte ich dem Buch bloss zwei Sterne gegeben. Aber Christian Kracht ist Christian Kracht und hat bei mir einen Stein im Brett, deshalb drei Sterne. Trotz allem. Aber Kracht hat definitiv bessere Bücher geschrieben. Nur schon "1979" ist ein ganzes Stück tiefer, bewegender. "Eurotrash" da Bei diesem Buch gehöre ich wohl zur Fraktion "Unpopular Opinion". Woher all diese 5 Stern-Bewertungen kommen, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Wenn ich ehrlich bin, stände ein anderer Name auf dem Umschlag, hätte ich dem Buch bloss zwei Sterne gegeben. Aber Christian Kracht ist Christian Kracht und hat bei mir einen Stein im Brett, deshalb drei Sterne. Trotz allem. Aber Kracht hat definitiv bessere Bücher geschrieben. Nur schon "1979" ist ein ganzes Stück tiefer, bewegender. "Eurotrash" dagegen wirkt irgendwie erzwungen, den heutigen Erwartungen angepasst, im Gegensatz zu seinen anderen Werken fast schon fahl. Auch wurde mir Krachts Aussage nicht ganz klar. Es ist eine zynische Reise, ein Abgesang auf die grossen Kapitalisten. Doch irgendwie kam das bei mir nicht richtig an. Die Mutter-Sohn-Beziehung hätte Potential in sich geborgen, das aber nicht ganz ausgearbeitet wird. Es gibt ein paar gute Momente, aber dann fallen die Figuren wieder in ihr altes, nervtötendes Verhalten zurück. Und natürlich geht es nicht ohne Nazis. Vielleicht bin ich einfach nicht intellektuell genug und habe deshalb die Kernaussage bezüglich der Kritik an den Schönen und Reichen in der Schweiz nicht korrekt aufgenommen, oder mir fehlen Bezugspunkte in Krachts eigener Biographie, die ich mit dem Text hätte in Verbindung bringen sollen... Dennoch bleibt nach der Lektüre ein unangenehmer Nachgeschmack zurück. Und natürlich auch ein wenig die Enttäuschung. Auch ab mir selbst, da ich diesen Roman nicht so zu schätzen weiss, wie er angeblich geschätzt werden sollte.

  6. 4 out of 5

    Johanna

    3,5 sterne (dear goodreads CEO please finally give us half star ratings!!!) auf jeden fall das kracht buch, was am ehesten an einen "easy read" herankommt. die themen die darin vorkommen sind interessant, die beziehung zur mutter irgendwie rührend, teilweise musste ich auch richtig lachen. wie kehlmann (hihi) mit dem selbst-referenziellen spielt und an der grenze zwischen autobiographie und fiktion tänzelt mochte ich sehr. letztendlich bleibt bei mir aber leider trotzdem ein gefühl von "und jetz 3,5 sterne (dear goodreads CEO please finally give us half star ratings!!!) auf jeden fall das kracht buch, was am ehesten an einen "easy read" herankommt. die themen die darin vorkommen sind interessant, die beziehung zur mutter irgendwie rührend, teilweise musste ich auch richtig lachen. wie kehlmann (hihi) mit dem selbst-referenziellen spielt und an der grenze zwischen autobiographie und fiktion tänzelt mochte ich sehr. letztendlich bleibt bei mir aber leider trotzdem ein gefühl von "und jetzt?", dass er die themen/beziehungen nicht wirklich tief genug bespricht.

  7. 5 out of 5

    Dexter

    Na, ich will ehrlich sein: 3,5 Sterne. Ich finde das alles schön zusammenfabuliert, keine Frage. Das Spiel mit Realität und Fiktion, dazu das Roadmoviehafte, ja wirklich, alles ganz charmant. Aber irgendwie ist es auch leer, es ist alles ein Nichts, ein schönes zwar, aber dennoch ein Nichts. Das muss anderen doch auch so gehen, bitteschön.

  8. 5 out of 5

    miss_mandrake

    Genial erzählt. Ironisch, komisch und doch so liebevoll

  9. 5 out of 5

    Alex Matzkeit

    Eins dieser Bücher, bei denen ich hinterher nicht sagen kann, ob ich es irgendwie gut oder doch nur belanglos fand.

  10. 5 out of 5

    Alexander Carmele

    Untot im Rausch durch die Schweiz. Folgt man dem postmodernen Zeitgeist a la Lyotard befinden wir uns in einer Zeit nach dem Ende großer Erzählungen, d.h. in der nur noch sich selbst transparente, oder untote Erzählungen hin und her geistern, kleine Erzählungen voller verwobener und irrelevant gewordener Details existieren können. Mischt man noch Klischees, Erfahrungsarmut in die These, würzt sie mit der Schweiz, dem Nationalsozialismus, Demenz und Familienproblematik, sexuellen Missbrauch und Sa Untot im Rausch durch die Schweiz. Folgt man dem postmodernen Zeitgeist a la Lyotard befinden wir uns in einer Zeit nach dem Ende großer Erzählungen, d.h. in der nur noch sich selbst transparente, oder untote Erzählungen hin und her geistern, kleine Erzählungen voller verwobener und irrelevant gewordener Details existieren können. Mischt man noch Klischees, Erfahrungsarmut in die These, würzt sie mit der Schweiz, dem Nationalsozialismus, Demenz und Familienproblematik, sexuellen Missbrauch und Sadomasochismus, und garniert dieses Gebräu mit Anekdoten aus dem Spiegel-Magazin der letzten sieben Jahrzehnte, so erhält man, schüttelt und rüttelt man nur genug, den neuen Roman von Christian Kracht: „Eurotrash“, der sich wie ein Who-is-Who der bundesrepublikanischen Plattitüde eines inexistenten Literatursalons gehobener Söhne und Töchter mit Abschluss in Germanistik liest und auch von einer künstlichen Intelligenz geschrieben werden hätte können. Siehe hierzu das bald erscheinende Buch Daniel Kehlmanns „Mein Algorithmus und ich“. Je mehr man sich also der Sprache Krachts überlässt, desto mehr erkennt man ein hintergründiges Summen der sich verselbständigt habenden Textverarbeitungssoftware – Etwas schreibt, nur eben kein Gegenüber mehr, das sich zeigt. Der Diskurs selbst schreibt sich in den Geist, und der Geist schreibt sich zurück in den Diskurs, und am Ende bleibt nichts mehr der Überraschung oder dem Zufall überlassen. Die altersschwache Mutter trinkt hierzu den ganzen Roman über Wodka oder Kochwein und wirft Phenobarbital-Pillen ein. Die ganze Erzählung spannt sich darum, wie viel Alkohol, welchen Alkohol, wie viele Pillen, welche Pillen genommen werden dürfen, können und müssen. Begleitend gibt der Erzähler, der sich Christian Kracht nennt, aber mit Daniel Kehlmann verwechselt wird, belanglose, halb humoristische, teilweise scheußliche Kurzgeschichten zum Besten, bspw. wie eine Mutter mit Kind auf dem Meer verdurstet, oder einem Piloten die künstliche Nase wegschmilzt, oder ein SS-Mitglied sich von einem isländischen Au-Pair-Mädchen mit Stacheldraht an einen Küchenstuhl fesseln lässt, während dieser eine Tibet-Nazi-Mission plant. Fazit: Selbst mit größter Mühe wüsste ich nicht, warum man diesen Roman schreiben gar lesen sollte. Mehr Details, weniger meinungsbeladen: https://read2write.org/christian-krac...

  11. 4 out of 5

    Agnieszka Hofmann

    Wspaniała historia. Kracht zabiera swą sędziwą matkę, alkoholiczkę uzależnioną też od leków, w podróż, pewnie ostatnią. Szalona to podróż, bez planu, bez końca, bez celu. Urozmaicana opowieściami syna, o zdarzeniach prawdziwych lub fikcyjnych, któż to wie? Jak to u Krachta, mnóstwo tu dykteryjek, spotkań ze sławnymi osobami, prawdziwych lub nie. A w tle Europa, ociężała, spasiona zrabowanym złotem i skarbami, leniwa, rzucająca cienie nazizmu, kolonializmu, antysemityzmu. Długie cienie. I Kracht Wspaniała historia. Kracht zabiera swą sędziwą matkę, alkoholiczkę uzależnioną też od leków, w podróż, pewnie ostatnią. Szalona to podróż, bez planu, bez końca, bez celu. Urozmaicana opowieściami syna, o zdarzeniach prawdziwych lub fikcyjnych, któż to wie? Jak to u Krachta, mnóstwo tu dykteryjek, spotkań ze sławnymi osobami, prawdziwych lub nie. A w tle Europa, ociężała, spasiona zrabowanym złotem i skarbami, leniwa, rzucająca cienie nazizmu, kolonializmu, antysemityzmu. Długie cienie. I Kracht wspaniale się z tym rozprawia, zjadliwie, ze swadą, wtrąconymimimochodem zdaniami, rzuconymi tu i tam uwagami, ostrymi jak brzytwa obserwacjami. I te dialogi syna z matką!... I ta dekadencja tak zwanej zachodniej cywilizacji!... Bardzo, bardzo dobra książka. I chyba zostanę taksówkarką w Szwajcarii.

  12. 4 out of 5

    Torsten

    Hat mir besser gefallen, als ich bei Ankündigung erwartet hatte. Etwas ausführlichere Rezi folgt (vielleicht) noch 😉

  13. 4 out of 5

    Pow Wow

    Dare I say this was unexpectedly funny? Basically a deeply felt mother son story with metatextual digressions and some truly savage yet elegant bitchy humor. Assured, at peace with itself, touching. Had me laughing out loud throughout. Color me surprised but this was all around great & enjoyable. And yeah, the dude can write but this time around, he’s not trying too hard to impress, which is an added plus. The mother character is masterfully drawn.

  14. 5 out of 5

    Falk

    Also, ein irgendwie ganz neues Erzählen bei Christian Kracht, zugleich aber auch nicht, denn es ist – wie vorher auch schon – im Kern ein Metaerzählen, nur diesmal steht die Autorfigur Christian Kracht selbst im Mittelpunkt der Erzählung, die Autorfigur und dessen Mutter, das gab es zumindest in den Romanen so noch nicht. Der Stoff dieses Erzählens ist Krachts Werk selbst („Eurotrash“ ist also keineswegs eine Fortsetzung von „Faserland“, schließt aber daran auf verschiedenen Ebenen an), die übli Also, ein irgendwie ganz neues Erzählen bei Christian Kracht, zugleich aber auch nicht, denn es ist – wie vorher auch schon – im Kern ein Metaerzählen, nur diesmal steht die Autorfigur Christian Kracht selbst im Mittelpunkt der Erzählung, die Autorfigur und dessen Mutter, das gab es zumindest in den Romanen so noch nicht. Der Stoff dieses Erzählens ist Krachts Werk selbst („Eurotrash“ ist also keineswegs eine Fortsetzung von „Faserland“, schließt aber daran auf verschiedenen Ebenen an), die üblichen Anekdoten aus der asozialen Oberschicht, die Schweiz und die deutsche Geschichte, vor allem die nazideutsche Geschichte, die aber so gar nicht im Jahr 1945 endet, alles verbunden mit Krachts Biografie und der seiner Familie. Wer andere Romane des Autors gelesen hat, wird eine helle Freude am Wiedererkennen von Formulierungen, Motiven und Situationen haben. Der Roman funktioniert aber auch, wenn Leute noch nie ein Wort des Autors gelesen haben, da bin ich mir sicher. Die Hauptthemen sind wohl (so genau und definitiv lässt sich das ja nie sagen): Herkunft und Kindheit, Vergessen und Erinnerung sowie das Schweigen über zurückliegende Grausamkeiten, das immer wieder neue Grausamkeiten und ein neues Schweigen produziert – und die Unmöglichkeit, dieses Schweigen brechen zu können, bei gleichzeitiger Notwendigkeit, es brechen zu müssen. Kracht wäre nicht Kracht, wenn diese Themen nicht mit Komik behandelt werden würden, was überhaupt kein Widerspruch ist zur Ernsthaftigkeit des Unterfangens. Denn das Zaubermittel zum Brechen des Schweigens ist: Erzählen. Dieses Erzählen wird hier durch seine ständige Selbstbespiegelung (sowie die Selbstbespiegelung der Selbstbespiegelung) und die ständigen (sehr überraschenden, sehr lustigen) metafiktionalen Brüche in seiner Wirkmacht und Gemachtheit immer wieder sichtbar. Die glamourös kaputte Krachtwelt steht nun zum Teil für ein zutiefst verkommenes Europa ein, eine Mülltüte voller schmutzigem sinnlosen Geld und Rauschmitteln. Durch die immer präsenten Brechungen wird das alles besonderer Stoff Krachts ausgestellt, dessen erzählerische Kunstfertigkeit jenseits dieses Stoffes und damit die Kraft und Macht des Erzählens selbst klarer hervortritt. So wird ein Stück weit der Mythos Kracht, dem stets so viel Aufmerksamkeit zuteil wird, entzaubert. Auch erzählt die Romanfigur Christian Kracht immer wieder aus dem Stegreif heraus kleine wundervoll abstruse Preziosen, was ebenfalls das Erzählen selbst in den Vordergrund rückt. Ein Trick, der nur funktioniert, wenn das Erzählen durch sein Wirken selbst überzeugt – und das tut es in absolut beeindruckender Weise. Das ist ein bisschen wie in „Tausendundeine Nacht“, wo Shahrazad nur weiterlebt, wenn die Geschichte fesselt. Neu für Krachts Erzählen scheinen mir neben dieser ausgestellten Virtuosität auch die längeren Dialoge zu sein, die unglaublich komisch sind, und so eine loriothafte Quirkiness haben, wobei Zärtlichkeit und Grausamkeit in ihnen sehr nah beieinander liegen, vielleicht gar nicht voneinander zu trennen sind. Insgesamt ist „Eurotrash“ das vielleicht leichtfüßigste, lustigste und liebesvollste Buch, das ich von Kracht gelesen habe. Mein Lieblingsroman war bislang „1979“. Vielleicht wird es jetzt „Eurotrash“, oder besser: Wieder das ganze Werk von Kracht, aber in transformierter Form. Denn nach „Eurotrash“ sehen alle früheren Romane wieder neu aus. Das ist echt ein Geschenk.

  15. 5 out of 5

    Johanna

    (rezension folgt noch)

  16. 4 out of 5

    Aida

    Ach, ach, ach. Ich gebe ihm zwar fünf Sterne, denn es war true return to form und mehr als ich hätte erwarten können, aber warum, Christian Kracht, warum musst du die Rassismen, die du ja zu verachten scheinst, so lustvoll reproduzieren? Das ist doch unnötig, langweilig und so passé. Schade, denn ansonsten wäre das Ding hier wirklich ganz großes Literaturkino zwischen Autofiktion und die Schweizer-Antwort-auf-magical-realism, getränkt von Wodka und dem süßen Geruch von Tod und Verwesung. Oh well Ach, ach, ach. Ich gebe ihm zwar fünf Sterne, denn es war true return to form und mehr als ich hätte erwarten können, aber warum, Christian Kracht, warum musst du die Rassismen, die du ja zu verachten scheinst, so lustvoll reproduzieren? Das ist doch unnötig, langweilig und so passé. Schade, denn ansonsten wäre das Ding hier wirklich ganz großes Literaturkino zwischen Autofiktion und die Schweizer-Antwort-auf-magical-realism, getränkt von Wodka und dem süßen Geruch von Tod und Verwesung. Oh well.

  17. 4 out of 5

    Iamthesword

    To quote a friend of mine's recent review of another book by Christian Kracht: "Kracht. Kracht halt, wa?" Kracht indeed, everything you expect from him. The expressive language, the melting of facts and fiction into one, presenting fiction as fact and vice versa, creating a hall of mirrors and ambiguity. Very postmodern, in a peculiar (Swiss?) way. Definitely not for everyone. But after four novels, I can say it's at least for me. During their trip through Switzerland, the protagonist (also a wri To quote a friend of mine's recent review of another book by Christian Kracht: "Kracht. Kracht halt, wa?" Kracht indeed, everything you expect from him. The expressive language, the melting of facts and fiction into one, presenting fiction as fact and vice versa, creating a hall of mirrors and ambiguity. Very postmodern, in a peculiar (Swiss?) way. Definitely not for everyone. But after four novels, I can say it's at least for me. During their trip through Switzerland, the protagonist (also a writer named Christian Kracht) and his demented(?), alcoholic(!) mother fight over their competing memories of the past. The past of themselves as well as the past of the rich family in Germany/Switzerland. Kracht is always interested in the fictions that draw through our realities and become part of it. And the fight over the memories between the two characters is very much a struggle over their identities and the search for common ground. It is hard at times, but also compassionate and sometimes outright funny. I particularly liked the character of the mother who turned out to be much less in a dither than it seemed in the beginning and who seldomly spared the son the necessary bashing. She doesn't let him get away with blaming the family, its history and the corrupting force of money for all his misery. This second voice, and the dialogic form it created was the strong point of the story. There was also a nice bit of meta-reflection about how the career of Christian Kracht (the protagonist!!!11!) might be the result of a privileged upbringing in a rich German-Swiss family. And do I have to mention that it is really well written? At the same time, I have to say that there were almost too many distorting mirrors this time: The book is a spiritual successor to his debut novel FASERLAND - which caused strong reactions (in both directions) 25 years ago - and it is about a certain Christian Kracht (not!!!! to be confused with the author of this novel) who wrote a famous book 25 years ago, called FASERLAND...you see where this is going. Sometimes the crossreferences got a bit too much for me and became self-indulgent play. And the protagonist's selfrightousness in judging everything became a bit annoying at times (even though his mother managed to ground him most of the time). So while this wasn't my favourite Kracht novel, I enjoyed it very much and I'll definitely also get his next book the moment it is released.

  18. 5 out of 5

    Conny

    In Krachts Debütroman «Faserland» irrte ein namenloser Erzähler in Barbourjacke vertikal durch Deutschland. Jetzt, 25 Jahre später, schickt Kracht den Autor von «Faserland» – der Christian Kracht heisst – auf eine weitere Reise, dieses Mal im Öko-Pulli und durch die Schweiz. Zwischen dem fiktionalisierten und dem echten Kracht findet man schliesslich zahlreiche biografische Übereinstimmungen. Während er also in «Eurotrash» mit seiner betagten, alkohol- und tablettenabhängigen Mutter von Zürich ü In Krachts Debütroman «Faserland» irrte ein namenloser Erzähler in Barbourjacke vertikal durch Deutschland. Jetzt, 25 Jahre später, schickt Kracht den Autor von «Faserland» – der Christian Kracht heisst – auf eine weitere Reise, dieses Mal im Öko-Pulli und durch die Schweiz. Zwischen dem fiktionalisierten und dem echten Kracht findet man schliesslich zahlreiche biografische Übereinstimmungen. Während er also in «Eurotrash» mit seiner betagten, alkohol- und tablettenabhängigen Mutter von Zürich über Saanen bis nach Morges und zurück fährt, fragt man sich, welches Spiel hier gespielt wird. Autofiktion? Satire? Verarscht der mich gerade? Sichere Schlüsse über «Eurotrash» kann man jedenfalls nicht ziehen. Das ist aber auch gar nicht nötig. Der Roman ist eine Ode an die Erzählkunst an sich, wenn man sich auf die Gratwanderung zwischen Fiktion und Realität einlässt. Und erzählen kann Kracht einfach wahnsinnig gut.

  19. 4 out of 5

    Konstantin

    I am a bit confused with the high ratings here. I mean, I get it. I adore Kracht too. "Die Toten" or "Imperium" is some of the most beautiful contemporary German prose out there. However, "Eurotrash" pales in comparison by a long shot. To me it merely reads like road movie between two odd characters, destined to become a "Constantin Film" production with Lars Eidinger and Iris Berben in the lead roles. In fact, even the whole Nazi angle isn't particularly interesting, we have read similar investi I am a bit confused with the high ratings here. I mean, I get it. I adore Kracht too. "Die Toten" or "Imperium" is some of the most beautiful contemporary German prose out there. However, "Eurotrash" pales in comparison by a long shot. To me it merely reads like road movie between two odd characters, destined to become a "Constantin Film" production with Lars Eidinger and Iris Berben in the lead roles. In fact, even the whole Nazi angle isn't particularly interesting, we have read similar investigations into the Nazi underbelly of the Bundesrepublik in "Ansichten eines Clowns" by Heinrich Böll, "Am Beispiel meines Bruders" by Uwe Timm or Bernhard Schlinks inevitable "Der Vorleser". I will admit that it is still a joy to read Kracht's spoken word language, it is fun to have him deconstruct mannerisms and habitus of the bourgeosie, but overall it just feels like the novel comes about 50 years too late. "Faserland" remains the fresher whiff of air and the bigger literary achievement. "Eurotrash" is so far Kracht's weakest novel in my opinion. Still much better than almost anything by any other German author, but nothing in comparison to his other works.

  20. 5 out of 5

    Janik

    An Eloquenz fast nicht zu überbieten. Inspirierend. Empfehlenswert. Etwas mehr Handlung hätte das Buch allerdings schon vertragen - und ist mir tatsächlich etwas zu selbstreferenziell.

  21. 5 out of 5

    Thilo Mischke

    Wenn das Leben wie ein voller Stoma-Beutel ist.

  22. 4 out of 5

    Patrick

    Jetzt also hat Kracht es geschafft: einen Roman zu schreiben, einen Text, der alles Vorherige in den Schatten stellt. Unübertrefflich. Opus magnum.

  23. 5 out of 5

    Lennart

    4.5

  24. 4 out of 5

    Cristian

    von mir aus drei, aber... ach, nichts. der funke sprang nicht über. aber warum denjenigen den spaß vermiesen, den sie laut der vielen 5* rezis damit hatten?

  25. 4 out of 5

    Franziska

    Was soll der Titel sagen? Auch nachdem ich dieses wunderbare Buch gelesen habe, ist die Wahl des Titels noch nicht schlüssig. Dieses Buch ist ein Glanzstück der Gegenwartsliteratur. Der sprachliche Ausdruck, die Einbindung von fremdsprachigen Zitaten meistert Kracht geschickt. Obwohl die Geschichte, die erzählt wird den Ausgang erahnen lässt, ist die Kreuzung mit geschichtlichen Ereignissen und die Beschreibung der Reise einfach lesenswert.

  26. 4 out of 5

    André

    Ein Roadmovie. Natürlich darf man es auch nicht mögen. Ich lieb's. Ein kurzes Buch, voller Humor. (Es hilft, wenn man Faserland zuvor gelesen hat.) Ein Roadmovie. Natürlich darf man es auch nicht mögen. Ich lieb's. Ein kurzes Buch, voller Humor. (Es hilft, wenn man Faserland zuvor gelesen hat.)

  27. 5 out of 5

    Heiko

    Ach, Christian, du kannst glücklicherweise nicht enttäuschen. Ich war erst etwas besorgt als es hieß, Herr Kracht würde einen Folgeroman zu “Faserland” (DEM Popliteratur non plus ultra) herausbringen und dann waren die Vorabkritiken auch noch eher mau. Schlechte Zeichen, also. “Langweilig” sei der Herr geworden und “zu sicher” der Schreibstil. Oh weia. Ich bin gerade mit dem Roman fertig geworden und kann beides glücklicherweise verneinen. Und das kommt aus dem Munde eines “Faserland”-Ultras. (Nur v Ach, Christian, du kannst glücklicherweise nicht enttäuschen. Ich war erst etwas besorgt als es hieß, Herr Kracht würde einen Folgeroman zu “Faserland” (DEM Popliteratur non plus ultra) herausbringen und dann waren die Vorabkritiken auch noch eher mau. Schlechte Zeichen, also. “Langweilig” sei der Herr geworden und “zu sicher” der Schreibstil. Oh weia. Ich bin gerade mit dem Roman fertig geworden und kann beides glücklicherweise verneinen. Und das kommt aus dem Munde eines “Faserland”-Ultras. (Nur vorneweg: es ist keine 1:1-Fortsetzung, also lieber in dem Falle nicht zu viel erwarten, in allen Anderen gerne mehr.) “Eurotrash” ist ein gutes Buch, es ist vielleicht sogar ein sehr gutes, aber das kann ich erst nach ein paar Jahren beurteilen, wenn es mir hoffentlich genauso wie “Faserland” ans Herz gewachsen ist. Es zeigt wieder einmal, was für ein grandioser Autor Christian Kracht ist. Gespickt mit autobiografischen Elementen und Aussagen, die einiges an Deutungsfreiheiten liefern, überzeugt mich “Eurotrash” durch seine überraschend warmherzige und lockere Natur. Der Anfang mag etwas holprig klingen für viele, doch jeder Weg ist zu Beginn etwas steinig. Sobald die Koffer, die Mutter und das ganze Geld aber gepackt sind, geht die Fahrt dann richtig los und der Roman hat mir mehr Spaß gemacht, als ich es vielleicht in der Öffentlichkeit zugeben darf. Es ist ein Abenteuerroman, ein Märchen, es ist Popliteratur, ein Geschichtsbuch und eine Autobiografie. Es ist irgendwie alles und doch nichts so wirklich von alldem. Es ist einfach Christian Kracht. Ganz viel Liebe geht an dieser Stelle übrigens an Mama Kracht und ihre immer passenden, französischen Zitate (obwohl sie doch laut eigenen Aussagen die Sprache nie erlernt hat). “Eurotrash” ist in meinen Augen ein Roadtrip der ganz besonderen Art. Und vielleicht sehen wir ja irgendwann, in einem weiteren Band, doch noch die Zebras. Es wäre uns zu wünschen. (An dieser Stelle auch noch der Hinweis an Kritiker, dass wenn sie sich einzelne Zitate herauspicken und kritisieren, sie doch diese bitte im Zusammenhang interpretieren und lesen sollen. Sonst ergibt die Kritik leider keinen Sinn.)

  28. 4 out of 5

    Kathleen Kelly

    "...so ging das nicht weiter, ich mußte Herr dieser Konversation werden, und so spießte ich eine Kartoffel auf die Gabel." Mutter und Sohn machen eine Reise durch die Vergangenheit, in Gedanken und Taxi. Anfangs kam es mir ein wenig zu verkopft daher, mit viel name-dropping, jeder kleine Absatz war seine eigene Anekdote. Das zu lesen und zu verarbeiten versuchen löste in mir fast einen Tick aus, ich kehrte zwei-dreimal an die jeweiligen einleitenden Sätze zurück. Ich hatte Angst irgendetwas zu übe "...so ging das nicht weiter, ich mußte Herr dieser Konversation werden, und so spießte ich eine Kartoffel auf die Gabel." Mutter und Sohn machen eine Reise durch die Vergangenheit, in Gedanken und Taxi. Anfangs kam es mir ein wenig zu verkopft daher, mit viel name-dropping, jeder kleine Absatz war seine eigene Anekdote. Das zu lesen und zu verarbeiten versuchen löste in mir fast einen Tick aus, ich kehrte zwei-dreimal an die jeweiligen einleitenden Sätze zurück. Ich hatte Angst irgendetwas zu übersehen, dass mir beim Nachhauseweg der Einkauf verloren ging. Geführt hat das Ganze zu einer längeren Lesepause, immer wieder ein Kapitel, alle paar Tage. Und heute dann, boom. Ich zwang mich gegen den Drang des angeblichen Vergessens anzukämpfen und einfach weiterzulesen, meinen Instinkten zu vertrauen. Vor allem, aber half es, dass wir weniger Zeit im Kopf des Protagonisten verbrachten, und viel mehr bei ihm und seiner Mutter, im Jetzt. Die Dialoge zwischen den beiden waren gar das Highlight des ganzen Romans, weil sie uns unter anderem so viel über Mutter und Sohn verrieten, ihrer Beziehung zueinander. Außerdem erzählt Kracht diese Halbwahrheiten mit so viel spitzzüngigem Humor und Reflektiertet, dass sich selbst meine Mundwinkel nach oben wölbten. Die Szene im Forellen-Restaurant war genial, vor allem dann als Kracht (der Autor) seine Figuren aus den Augen des Kellners betrachtete. "'Was ist denn das jetzt?', fragte meine Mutter. 'Das sind Grissini', antwortete der Kellner. 'Ich hasse Grissini. Nehmen Sie die sofort weg. Wenn Sie mir noch einmal Grissini bringen, dann fahre ich Ihnen mit meinem Mercedes mitten in Ihren Laden rein.'" Kracht nimmt uns mit in die Welt der Superreichen, wo Geld so wenig Bedeutung und Wert hat, dass es in einem Plastiksackerl herumgetragen wird, und wenn der Wind es davonträgt keiner mit den Schultern zuckt. Die Mutter kommt aus einer Familie mit (verschwiegener) Nazivergangenheit und der Vater ist ein social climber. Sie lebten einst in Saus und Braus, aber mittlerweile sind sie nichts mehr als trash. Eurotrash.

  29. 5 out of 5

    Lasse Jürgensen

    Die Flughafenszene war etwas holprig. Warum lässt Kracht die Gelegenheit verstreichen, dem fiesen Piloten beim Hineinsehen in die vermeintlich mit Geld gefüllte Plastiktüte die Fäkalien von Frau Krachts Darmausgang ins Gesicht klatschen zu lassen? Auch die metafiktionale postmoderne Spielerei der Synchronität von Fakt & Fiktion wirkt anno 2021 etwas abgedroschen. Der Filmprojektor in Imperium konnte da wesentlich mehr überzeugen, weil er zwar typisch postmodern, aber in seiner Art trotzdem origi Die Flughafenszene war etwas holprig. Warum lässt Kracht die Gelegenheit verstreichen, dem fiesen Piloten beim Hineinsehen in die vermeintlich mit Geld gefüllte Plastiktüte die Fäkalien von Frau Krachts Darmausgang ins Gesicht klatschen zu lassen? Auch die metafiktionale postmoderne Spielerei der Synchronität von Fakt & Fiktion wirkt anno 2021 etwas abgedroschen. Der Filmprojektor in Imperium konnte da wesentlich mehr überzeugen, weil er zwar typisch postmodern, aber in seiner Art trotzdem originell war. Aber ich mäkel nur herum. Nichtsdestotrotz kriegt er natürlich trotzdem 5 Sterne, weil ich nun einmal Fanboy bin und ehrlich gesagt war der Lesespaß auch kaum jemals höher bei Kracht. Der Anfang von Kapitel II ist so fulminant und die Ambiguität von Faszination und Abstoßung bei der Beschreibung der Nazivergangenheit seiner Familie und dieses Landes in seiner unerverkennbaren Manier mal wieder on point. Das Ziel des Romans ist es, das Geld zu vernichten: Kracht sucht hier die Katharsis, sich endlich vom Vorwurf eines verzogenen reichen Schnösels zu lösen und damit ein für alle mal abzuschließen, und insofern ist es wirklich eine Fortsetzung von Faserland. Allein, es wird immer weiter Journalisten und Kollegen geben, die ihm seinen Erfolg aus Klassenresentiments missgönnen werden, und daran wird auch Eurotrash nichts ändern können. Dass das mit linkem Antiklassismus und marxistischer Progressivität nichts und nur mit Neid zu tun hat, brauche ich nicht zu erwähnen. Gut ist auch, dass Eurotrash sich nicht wie Imperium oder Die Toten um eine komponierte Narrative bemüht sondern wie Krachts ersten beiden Romane eher einfach ein sehr unmittelbarer Bericht ist. Die Länge des Buches ist wie immer perfekt und jeder Schrifststeller, der es nicht schafft, ein Buch unter 200 Seiten zu schreiben, darf sich nach wie vor gehörig eine Scheibe von Kracht abschneiden. Niemand hat Bock eure Schinken zu lesen, kommt auf den Punkt. 2/2 Hypers Kracht liefert mal wieder ab

  30. 4 out of 5

    Arcimboldis World

    „Eurotrash“ – Der neue Roman von Christian Kracht ist ein Roadmovie, den man in einem Atemzug liest. Literarisch gesehen war er – neben Benjamin von Stuckrad-Barre – sicherlich einer der grossen Stars der 90er Jahre. Sein Können ist nicht verblasst, das neue Buch lohnt sich! Unbedingt! Seit „Imperium“ (2012) sind ein paar Jahre vergangen, „Faserland“ erschien bereits vor über 25 Jahren. Wie grossartig Christian Kracht schreiben kann, war in meiner Erinnerung etwas verblasst. Aber bereits auf den „Eurotrash“ – Der neue Roman von Christian Kracht ist ein Roadmovie, den man in einem Atemzug liest. Literarisch gesehen war er – neben Benjamin von Stuckrad-Barre – sicherlich einer der grossen Stars der 90er Jahre. Sein Können ist nicht verblasst, das neue Buch lohnt sich! Unbedingt! Seit „Imperium“ (2012) sind ein paar Jahre vergangen, „Faserland“ erschien bereits vor über 25 Jahren. Wie grossartig Christian Kracht schreiben kann, war in meiner Erinnerung etwas verblasst. Aber bereits auf den ersten Seiten des neuen Romans hat er mich schon gepackt, nimmt er mich mit auf diese Abenteuerreise durch die Schweiz und in die dunkelsten Abgründe seiner Familiengeschichte. Der Roman ist vor allem dann lesenswert, wenn man selbst hier lebt und vor allem Zürich gut kennt. Dann weiss man, die exzentrische Figur der Mutter ist kein Phantasiegebilde, sondern ein dutzendfach existierendes Exemplar, wohnhaft am Züriberg. Für jeden anderen Leser ist es eine grossartige Mischung aus Fiktion und autobiographischem Material, eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, eine Abrechnung von Mutter und Sohn, eine teils explosive Mischung aus Geschichtsschreibung, Tagesgeschehen und herrlichem Sarkasmus. Natürlich ist „Eurotrash“ eine gnadenlos grossartige Selbstinszenierung des Autors, warum auch nicht? Was spricht dagegen? Nichts. Der Roman lässt tief in die Abgründe seiner Familie blicken, egal ob wahr oder erfunden – präzise und wie immer schneidend klar und schonungslos in der für Kracht so punktgenauen Schreibe. Jeder Dialog sitzt perfekt, kein Wort zu viel oder zu wenig. Kracht ist ein Meister des Satzbaus, ein grossartiger Architekt feinsinniger und gestochen scharfer Formulierungen, häufig liegt der tödliche Dolchstoss im Nebensatz. Den neuen Roman von Christian Kracht kann man nun mögen oder nicht, literarisch brilliant ist er auf jeden Fall.

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